Überwachungsstaat Großbritannien?

Wenn man Großbritannien und Datenschutz hört, muss man gleich an die hohe Zahl der Vorfälle von Datenschlamperei allein in den letzten sechs Monaten denken. Deshalb musste ich letztens bei der Eröffnung eines Bankkontos schmunzeln als mir der Bankangestellte die Datenschutzrichtlinien erklärt hat. Dann gibt es auch noch zahlreiche Horrorgeschichten von den vielen Überwachungskameras hier. Den Unterschied zu Deutschland kann ich diesbezüglich nicht beurteilen weil ich in Deutschland noch nie in einer Stadt mit diesen Dimensionen gelebt habe. Es fällt jedoch auf, dass falls ein Geschäft Überwachungsmaßnahmen durchführt, wird das mit einem dreieckigen gelben Hinweisschild an der Tür mitgeteilt. In Deutschland wird es meistens nur textuell und oft erst im Laden mitgeteilt. Alles in allem denke ich, dass diesbezüglich die Briten den Deutschen nur einen kleinen Schritt “voraus” sind, diesen kleinen Schritt mache ich an Überwachungskameras im Bus fest, wo alle zwei Sitzplätze eine durchsichtige Halbkugel montiert ist in der eine kleine Kamera rotieret.
Bezüglich Telekommunikation und Internet sind uns die Briten was Datenschutz angeht weit voraus. Man kann so ziemlich in jedem Handyladen eine Prepaidkarte kaufen ohne gleich zur Vorzeige des Personalausweises genötigt zu werden. Kauft man sich dann noch ein unbenutztes Handy, so ist man wirklich anonym. Hat man wie ich, ein Handy das schonmal mit einer namentlich registrierten Prepaidkarte benutzt wurde, so muss man bedenken dass jedes Mobiltelefon mit einer eindeutigen Nummer (IMEI) identifiziert werden kann. Somit lässt sich aus den Tatsachen dass die alte (namentlich registrierte) Simkarte nicht mehr benutzt wird und der Tatsache dass das Handy mit neuer Sim in Benutzung ist schließen, wem die neue Simkarte gehört.
Zum Internet: Es gibt eine ziemlich breite Abdeckung von offenen WIFI-Spots, was zur Folge hat, dass wenn man hier in ein Café geht, viele Leute einfach nur zum surfen drinnen sitzen (dass sie dabei meist gefilmt werden ist die andere Sache ;-)). In Deutschand hat sich dieses Orakel der modernen Kommunikationsgesellschaft noch nicht bewahrheitet, da Menschen die bewusst oder unbewusst ein offenes WLAN betreiben wie Täter behandelt werden (siehe auch hier). Um die Tatsache um das offene WIFI nicht allzu hoch in den Himmel zu heben muss ich noch anmerken, dass bei offenem WIFI alle Datenpakete unverschlüsselt durch die Luft schwirren. Viele WLAN-Geräte ermöglichen jedoch ein Mitschneiden und Auswerten dieser, also sollte man nicht allzu vertrauliche Daten (auch E-Mail und Chat) senden, es sei denn man verwendet eine verschlüsselte Verbindung zu einem Proxyserver wie bei JAP. Jedoch schließt das auch nicht Man-In-The-Middle Angriffe aus, aber dafür muss jemand in der direkten Umgebung mit entsprechender Software und entsprechender Kenntnis (über das entsprechende Schlüsseltauschverfahren) ausgestattet sein. Um wirklich sicher zu gehen sollte man E-Mails und Chats beispielsweise mit GPG verschlüsseln.

Fazit: Betrachtet man die Tatsache, dass mit Hilfe von Überwachungskameras und entsprechender Software auf kurz oder lang keine sichere “On-The-Fly” Identifizierung möglich sein wird, fühle ich mich trotz Kameras anonym, denn Leute laufen ja viele rum. Offenes WIFI und Prepaidkarten ohne Ausweis unterstützen dieses Gefühl.